Ehrenamtskonzeption der Stadt Tübingen: Ein Vorbild für den Landkreis

Im Rahmen der Informationsveranstaltung „Freiwilliges Engagement für geflüchtete Menschen und ein Miteinander in Vielfalt“ am 8.Dezember im Rathaus stellten Vertreter*innen der Stadt Tübingen das neue Konzept der Stadt für die Unterstützung und Förderung des freiwilligen Engagements in der Flüchtlingshilfe vor. Nach einem kulturtheoretischen Vortrag des Soziologen Prof. Nieswand wurden die Eckpunkte des Konzepts vorgestellt. Demnach steht der Stadtverwaltung für das Jahr 2018 ein Budget von 150.000 Euro zur Verfügung. Im diesem Rahmen kann jeder Unterstützerkreis Sachmittel bis zu 1.300 Euro beantragen. Zusätzlich können pro Unterstützerkreis Aufwandspauschalen von bis zu 1.000 Euro und „Übungsleiterpauschalen“ von bis zu 2.400 Euro beantragt werden. Die restlichen Mittel sind für Projektförderungen reserviert.

Leider sind diese Mittel nur für Unterstützerkreise im Bereich der Stadt Tübingen vorgesehen. Das Landratsamt, das für den Rest des Landkreises die Fördermittel des Landes erhält, hat dafür kein Konzept entwickelt und verweist statt dessen auf die Städte und Gemeinden. Im Endeffekt kommt es also darauf an, wo der Unterstützerkreis angesiedelt ist, ob er wenigstens seine Sachkosten abrechnen kann. Die Gemeinde Ammerbuch unterstützt hier den Freundeskreis Asyl in vorbildlicher Weise.

Aktionswoche „Recht auf Familie“, 4.-10. Dezember 2017 – Integration braucht Familienzusammenführung

Mit der Aktionswoche „Recht auf Familie“ vom 4. bis 10. Dezember will die Liga der Freien Wohlfahrtspflege auf die humanitäre Notlage vieler geflüchteten Familien aufmerksam machen, die auf ihrer Flucht auseinandergerissen wurden. Die Einheit der Familie ist ein Grund – und Menschenrecht und die Zusammenführung von Familien mit Flüchtlingsanerkennung oder subsidiärem Schutz ist ein Gebot der Humanität, was durch langwierige Asyl – und Visumverfahren beschnitten wird.

Dazu passt auch ein Panorama-Beitrag vom 5.10.2017 und die umfassende Information der Caritas.

Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis

Ehrenamtliche, die an einem „Clearing“-Gespräch mit dem Landratsamt oder dem Jobcenter teilnehmen wollen, benötigen ein sog. „Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis“. Darin wird u.a. bestätigt, dass keine Erkenntnisse über ein Fehlverhalten beim Kontakt mit Minderjährigen oder anderen Schutzbefohlenen vorliegt. Auch wenn die Forderung nach einen solchen Führungszeugnis durchaus kontrovers diskutiert wird, spricht doch Einiges dafür:

  • Erstens können die Ehrenamtlichen nach außen beweisen, dass ihre Arbeit gewissen Qualitätsstandards entspricht. Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist von unschätzbarem Wert für die Flüchtlinge und für unsere Gesellschaft und kann durch die Maßnahme zusätzlich aufgewertet werden.
  • Zweitens ist es überall im Ehrenamt mittlerweile Standard, dass ein Führungszeugnis vorgelegt wird, z.B. im Sportverein, in der Jugendarbeit usw.
  • Drittens ist die Gefahr des sexuellen Missbrauchs in Situationen, in denen ein extremes Machtgefälle herrscht, erwiesenermaßen besonders groß. Gerade diese Situation kennzeichnet die Flüchtlingsarbeit.
  • Viertens würde ein Fall von sexuellem Missbrauch das Ansehen der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit massiv beschädigen. Und die Leiter und Leiterinnen der Unterstützerkreise müssten sich mit kritischen Fragen auseinandersetzen.

Wenn Sie sich an diesem Prozess beteiligen wollen, ersetzen Sie bitte die „XXX“ mit Ihren persönlichen Angaben im Antrag und im Begleitschreiben und legen diese persönlich dem Einwohnermeldeamt oder einem Bürgerbüro vor.  Bezahlen müssen Sie nichts. Nach einigen Tagen bekommen Sie das Zeugnis an Ihre Privatadresse geschickt und können sich dann entscheiden, ob Sie das gesamte Zeugnis dem Landratsamt vorlegen wollen, oder ob Sie die Gemeinde um eine Bestätigung bitten, dass gegen Sie keine Erkenntnisse vorliegen. Diese Bestätigung können Sie dann beim Clearing-Gespräch vorlegen.

Abschieben oder Integrieren?

Eine neue Arbeitshilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbands (11/2017) soll dazu beitragen, den aktuellen Bleiberechtsregelungen in der Praxis größere Wirksamkeit zu verleihen. Ein weiteres Ziel ist, vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion deutlich zu machen, dass Rückkehr bzw. Abschiebung nicht der einzig denkbare Weg aus dem für alle Beteiligten unbefriedigenden Status der Duldung ist, sondern insbesondere für langjährig geduldete Menschen die Bleiberechtsregelungen stets intensiv geprüft werden sollten.