Offener Brief an Frau Merkel

In einem offenen Brief an Frau Merkel vom 3. April 2019 stellen ca. 250 zivilgesellschaftliche Organisationen drei Forderungen zur Flüchtlingspolitik auf. Gefordert werden ein Notfallplan für Bootsflüchtlinge, die Ermöglichung von »Sicheren Häfen« und die Aussetzung von Rückführungen nach Libyen. Die Unterzeichner – darunter PRO ASYL, Ärzte ohne Grenzen (MSF), Amnesty International, BDKJ, SOS Mediterranee, Seebrücke, Diakonie, Caritas, AWO, der Paritätische, Brot für die Welt, Deutsche Aidshilfe, der DGB und viele regionale Organisationen – wollen bis Juni 2019 weitere Akteure aus der Zivilgesellschaft gewinnen, um diesem im politischen Raum unpopulär gewordenem Thema Nachdruck zu verleihen – und darauf hinweisen, wie viele Menschen nicht mit der eingeschlagenen Richtung in der europäischen Flüchtlingspolitik einverstanden sind.

Offener Brief (PDF, 921 KB)

Umgang mit Traumatisierung

Immer wenn im Landkreis Tübingen die Rede von Hilfen für traumatisierte Flüchtlinge kommt, fällt der Name refugio. Dieser Verein mit Hauptsitz in Stuttgart und Zweigstellen u.a. in Tübingen leistet seit Jahren einen wertvollen Beitrag bei der Beratung und Therapie von geflüchteten Menschen. Lesenswert ist hier der immer noch aktuelle Jahresbericht 2016, der auch Beiträge zur Sprachvermittlung und Ernährungsproblemen enthält.

Gemessen an der personellen, finanziellen und räumlichen Ausstattung leistet die Regionialstelle Tübingen eine hervorragende Arbeit. In den Jahren 2016 und 2017 wurden jeweils über 250 Klienten beraten, oft mit Hilfe von ehrenamtlichen Dolmetschern. Das heißt, ca. 5 % der geflüchteten Menschen haben Kontakt zu refugio.

Der Anteil von Geflüchteten mit Traumafolgen und anderen psychischen Problemen liegt aber deutlich höher. Je nach Quelle werden hier 40 bis 70% genannt. Da erhebt sich die Frage, ob und wo die anderen Menschen behandelt oder zumindest beraten werden können.Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung beleuchtet das Problem im Detail.

Die Möglichkeiten der IntegrationsmanagerInnen im Landratsamt oder in der Stadt Tübingen sind bei den Betreuungsschlüsseln von 1:120 bis 1:180 dich ziemlich begrenzt. Auch erfolgt hier in der Regel keine aufsuchende Betreuung, wie eigentlich im Pakt für Intergration gefordert. Doch gerade Personen mit psychischen Problemen haben selten die Kraft, aktiv in eine Sprechstunde zu gehen.

Hier fällt den ehrenamtlichen Begleitern in der Flüchtlingshilfe eine wichtige Rolle zu: Im täglichen Umgang mit Geflüchteten fallen eher Probleme auf, die dann an hauptamtliche Stellen weitergeleitet werden können. Auch niederschwellige Angebote wie gemeinsames Kaffeetrinken, Vermittlung in Vereine oder in kulturelle Angebote wirken stabilisierend und können Depressionen entgegenwirken.

 

 

Whatsapp-Alternativen

Viele Flüchtlingen kommunizieren untereinander oder mit Ehrenamtlichen mit dem Messenger-Dienst Whatsapp. Der gehört leider zu Facebook und kommt immer mehr in die Schlagzeilen, weil er es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. So muss man beispielsweise sein gesamtes Adressbuch im Handy nach Amerika schicken, um den Dienst zu nutzen. Darin sind in der Regel auch Kontakte, die mit Facebook nicht zu tun haben möchten und deshalb niemals erlauben würden,  die Daten dorthin zu schicken. Dazu benötigt man generell die Erlaubnis des Kontakt-Inhabers.

Die Firma 1&1 stellt eine Reihe von Alternativen vor, die ähnlich wie Whatsapp arbeiten, aber dessen Nachteile nicht haben. Aus dieser Reihe können wir die App Signal besonders empfehlen, die auch vom Whistleblower Edward Snowden benutzt wird. Damit kann man auch direkt mit den IntegrationsmanagerInnen kommunizieren, wenn deren Handynummer bekannt ist.

Vier Jahre ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit – eine lesenswerte Broschüre

Der Verein Sozialhelden aus Berlin hat eine Broschüre erstellt, in der ein Resumee aus 4 Jahren Flüchtlingsarbeit gezogen wird. Darin finden sich auch viele Tipps, wie erfolgreiche Flüchtlingsarbeit aussehen könnte und wie dem oft erlebten Spannungsfeld zwischen Haupt- und Ehrenamt begegnet werden kann. Unbedingt lesen!

Zum Thema Haupt- und Ehrenamt hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Handreichung erstellt, die sich zwar mit Aspekten außerhalb der Flüchlingsarbeit beschäftigt, aber im Grundsatz auch für diesen Bereich herangezogen werden kann.

Winfried Kretschmann zum Einwanderungsgesetz

Auch unser Ministerpräsident äußert sich zum aktuellen Entwurf eines bundesweiten Einwanderungsgesetz. Neben einer grundsätzlichen Zustimmung nennt er einige Verbesserungsvorschläge, die der Wirtschaft und integrierten Flüchtlingen gleichermaßen nützen. Hier lesen Sie die vollständige Stellungnahme.

Eine weitere Stellungnahme der gemeinnützigen Verbände und Vereine lesen Sie hier.

Kinder und Jugendliche

 

Migration und Gesundheit

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt einen regelmäßigen Infodienst zum Thema „Migration, Flucht und Gesundheit“ heraus. Neben Hinweisen auf Veranstaltungen und Projekte  enthält der Dienst auch Links zu interessanten Publikationen.

Neue Publikationen

  • Eine Kurzanalyse des BAMF zur Wohnsituation Geflüchteter liefert Erkenntnisse darüber, wie Geflüchtete in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 wohnten, die von Januar 2013 bis einschließlich Januar 2016 nach Deutschland eingereist sind.
  • Das Thema Familienasyl gewinnt in der Praxis zunehmend an Bedeutung. Fragen hierzu treten nicht nur in der Asylverfahrensberatung auf, sondern gerade auch bei den Beratungsstellen, die bei der Familienzusammenführung unterstützen. Auf die Frage, ob es besser ist, einen Antrag auf Familienasyl zu stellen oder sich auf die Aufenthaltserlaubnis zum Familiennachzug zu beschränken, gibt es keine pauschale Antwort. Download bei Paritätischen.
  • Auch die Handreichungen der Diakonie und der Caritas zum Thema Familienzusammenführungen sollen allen Menschen in der Beratung von Flüchtlingen zugutekommen, dieses Verfahren zu erleichtern und die Abläufe zu verbessern.
  • Menschen ohne Aufenthaltspapiere haben in Deutschland keinen oder einen erschwerten Zugang zum Gesundheitssystem. Dies dokumentiert die neue Broschüre „Krank und ohne Papiere“ der Diakonie-Bundesarbeitsgruppe Gesundheit/Illegalität.

Integrationsveranstaltung „Heimat – mehr als ein Wort“

Hintergründe verstehen, mitdiskutieren und aufeinander zugehen

Am Sonntag, 25.11.2018 von 15 bis 18 Uhr in der Zehntscheuer Entringen, Kirchstr. 9.

Veranstalter sind:
Tünews International (Landratsamt Tübingen)
Gemeinde Ammerbuch
Folklang Tübingen
Forum der Kulturen, Stuttgart
Freundeskreis Asyl Ammerbuch

Grußwort: Bürgermeisterin Christel Halm
Moderation: Dr. Sannwald  (Tünews International)

Vortrag: „Migration und Flucht: zwischen Herausforderung und Bereicherung“. Ein Austausch mit Dr. David Tchakoura, Integrationsbeauftragter der Stadt Engen
Das Streben nach Glück liegt in der Natur des Menschen. Statt die Migration als Mutter aller Probleme anzuprangern sollte mehr das in ihr verborgenes Potenzial zur Lösung der Probleme in den Herkunfts- und Aufnahmeländern effektiv genutzt werden. Hierzu ist ein solidarischer Dialog über den Themenkomplex Migration und Flucht von zentraler Bedeutung.
Dr. David Tchakoura tauscht sich mit den Gästen über die Wichtigkeit eines solchen Dialogs aus und gibt praktische Tipps für dessen erfolgsorientierte Gestaltung.

Ausstellung: „An(ge)kommen. Augenblicke. Begegnungen. Geschichten“
Die Ausstellung porträtiert Menschen, die Ihre Geschichten von Flucht und Ankommen erzählt haben. Die Ausstellung und der Abend sind Teil der Reihe „Menschen auf der Flucht – Hintergründe verstehen, mitdiskutieren und aufeinander zugehen“ vom Forum der Kulturen Stuttgart e. V.

Musikalische Umrahmung: Folklang

Tünews vor Ort in Ammerbuch: Themen, Fragen, Antworten.
Eine Gesprächsrunde mit Aliaa Abd Khalaf und Lobna Alhindi

Den Flyer zur Veranstaltung können Sie hier downloaden. Einen Bericht dazu finden Sie im Gäuboten.